Warum ein fachschaftenbasiertes u-Modell
In den letzten Jahren hat die politische Beteiligung Studierender an den Universitäten stetig abgenommen. Hier in Freiburg hatte das in den 80er Jahren den Niedergang der hochschulpolitischen Gruppen und damit auch das Ende des Studierendenparlamentes zur Folge. Die Umstellung auf ein basisdemokratisches Fachschaftsmodell hatte zum Teil ganz pragmatische Gründe. Die Einzigen, die kontinuierlich hochschulpolitisch arbeiteten und es heute noch tun, waren die Fachschaften. Deshalb lag es auf der Hand, ihnen auch die Entscheidungsbefugnisse zu übertragen.
Im ersten Moment mag das verwundern, behaupten heute doch einige, es wäre nicht Aufgabe einer Fachschaft sich mit der Hochschulpolitik zu beschäftigen. Vielmehr sei dies Aufgabe der angeblichen Fachleute: den hochschulpolitischen Gruppen. Man propagiert die „fachbereichsgebundene Servicefachschaft“. Neben dem üblichen Skriptenverkauf, den Ersti-Einführungen, Partys, Hütten und Kaffeeverkäufen wird die Hauptaufgabe verkannt: Die Vertretung ihrer Studierenden in Fakultätsräten, Studien- und Berufungskommissionen u.ä. Dieser Service findet zwar auf Fachbereichsebene statt, weist aber weit darüber hinaus.
Denn wer kennt sich besser mit den möglichen Problemen einer Studienreform aus als eineR, der/die einen neuen Studiengang mitgestaltet hat? Wer hat die Folgen der neuen Landeshochschulgesetze stärker zu spüren bekommen als die VertreterInnen in den Fakultätsräten und die Studis in den Fächern? Gehört darüber hinaus zu Service nicht auch Ansprechpartner für Studis zu sein, die Probleme mit dem BAföG, mit Wohnungssuche oder durch Diskriminierung haben, sowie ein Hinwirken auf Verbesserung? Fachschaften müssen also schon aufgrund der Anforderungen in ihrem Fachbereich auch nach außen aktiv werden und Studi-Interessen vertreten. Nichts anderes ist Aufgabe eines u-asta.
Man sollte zudem nie vergessen, dass die hochschulpolitischen Debatten immer in den Fachbereichen ankommen. Wissen um Vorgeschichte und politischen Hintergrund eines Gesetzes ist deshalb wichtig. Die Fachschaften werden deshalb im u-Modell durch die geforderte direkte Beteiligung automatisch besser auf ihre Aufgaben vorbereitet.
Als Teil der Fachschaft kann jeder Studi mitarbeiten, kann mitentscheiden und kann, jede Woche neu, Einfluss nehmen. Oppositionen ergeben sich ohne Fraktion einfach durch diese Beteiligung aller. Die hochschulpolitischen Gruppen sind dabei nicht ausgeschlossen. Sie entscheiden sich bewusst dafür nicht mitzugestalten, solange ihnen nicht der ganze Kuchen gehört. Für die politische Arbeit sind sie aber nicht unbedingt notwendig. Wie können sie noch offener oder transparenter arbeiten; was demokratischer entscheiden? Welche Einflussmöglichkeit hat der Studi noch, nachdem er seine Kreuzchen für einen Kandidaten gemacht hat, der sein Wahlversprechen bricht, weil er glaubt, besser zu wissen, was gut für alle ist?
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